Cruise Diaries #7: Mallorca – Insel der Seligen und schlechten Autofahrer

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Wir sitzen gerade entspannt beim Maci am Flughafen Palma, trinken Kaffee und der Kleine hüpft auf dem Riesensofa herum. In einer Stunde wird unser Gate bekannt gegeben. Wir haben Zeit. Meine beiden Lieben sind in Malaga mit der Pferdekutsche durch die Stadt gefahren. Klingt nach einem tollen Spaß, schade, dass ich nicht dabei war. Den letzten Seetag am Schiff haben wir routiniert heruntergeurlaubt mit Essen, Miniclub, Essen, Sonnenbaden und nochmal Essen. Zwischendurch wurde eine Wasserleiche aus dem Meer geborgen. Danach gab es Kaffee und Kuchen. Das ist Europa 2019. Am nächsten Tag mussten wir unser schwimmendes Elysium verlassen, auf dem jeder Tag ein bisschen wie Weihnachten im Himmel ist. Irgendwie ist so eine Kreuzfahrt schon ein Wahnsinn. Kleine dunkle Menschen wuseln den ganzen Tag herum um dicke helle Menschen noch dicker zu machen; Tonnen von Schweröl werden verheizt um 5 Saunen permanent warm zu halten auch wenn nur 3 Leute darin sitzen. Und das Schiff hört niemals auf zu Lächeln. Die Prima zog weiter gen Arabien, wir blieben auf Mallorca.

Unser Mietauto wurde pünktlich an den Hafen geliefert, das Gepäck hat trotz Bedenken hineingepasst und der Kindersitz war auch bald richtig adjustiert. Los ging die Inselerkundung! Unweit von der Mietautofirma liegt das Castell Belver, das wollten wir uns mal anschauen. Strahlend blauer Himmel über uns und unter uns die lebendige rote Stadt Palma, die grüngraue Bergkette Tramuntana im Norden und in allen anderen Richtungen tiefblaues Mittelmeer das in die Unendlichkeit ausgleitet. Belver ist ein passender Name für diese witzigerweise kreisrund errichtete Schlossanlage. Im Inneren gibt es ein kleines Geschichtsmuseum Mallorcas. Kurz zusammengefasst: Talayotische Kultur, Römer, Vandalen, Mauren, eigenes Königreich, Spanien. Aber eigentlich kommt man wegen dem Ausblick her.

Weiter ging es zur Kathedrale „La Seu“, wobei 2 Dinge schon vorab ins Auge fielen. 1.) Die Mallorqiner fahren rasant und rücksichtslos, 2.) Die Parkplatzsituation auf der Insel ist mehr als angespannt. Das möchte ich nicht in der Hauptsaison bei 40°C erleben… Doch all diese negativen Eindrücke verblassen beim prächtigen Anblick der Kathedrale. Wunderschön wurde ein Spiegelteich unter dem bulligen Gebäude platziert, umgeben von Palmen und Wiesen bzw. dem nebenstehendem Königspalast und anderen alten sandfarbenen Steinen. Und auch innen ist die Kirche wunderschön. Das Deckengewölbe ist irrsinnig hoch und durch die Fenster kommt herrlich farbenfrohes Licht, wodurch eine unglaublich luftige heitere Stimmung – für eine Kathedrale – erzeugt wird. Ein kurzer Spaziergang zu den arabischen Bädern (klein, aber interessant, weil original erhalten) und über den Prachtboulevard der Stadt rundeten unseren Palma-Besuch schön ab, bevor es auf der Autobahn ans andere Ende der Insel ging, in unser Resort nahe Alcúdia.

Die 3 Tage auf der Insel fühlten sich ganz anders an, als die Zeit am Boot (zumal nichts gewackelt hat). Wir tauschten Bequemlichkeit gegen Freiheit. Unser Resort, mit einem Namen zu lange um ihn sich zu merken, war recht lauschig. Ein schöner Pool, großartige Sauna, ein nettes Zimmer, viel Grün… Urlaub, so wie früher, als ich selbst noch ein Kind war. Nur die Parkplatzsituation war auch hier angespannt und hin und wieder müffelte es vom Meer oder dem angrenzenden Vogelschutzsumpf, zwischen denen unser Club eingekeilt lag. Tag 2 führte uns über das wunderschöne mächtige Gebirge in das Städtchen Sollér. Hier möchte ich noch Verkehrsproblem #3 erwähnen: Radfahrer… Kurz: Der Ausblick war wunderschön, die Fahrt selbst eher strapaziös. Zum Glück schlief unser braver Kleiner tief und fest, sonst wäre es wohl zur Hölle geworden. Sollér ist putzig, wir aßen dort eine Ensaimada mit Pfirsichen. Richtig schön ist aber Port de Sollér, das wir mit der schnuckeligen Tramway aus den 10er Jahren des letzten Jahrhunderts erreichten. Hier fühlte es sich an, wie Urlaub sein muss. Sonne, Strand, eine hübsche Stadt und gutes Essen. Wir flanierten die Uferpromenade entlang und ließen den Kleinen zum ersten Mal im Sand spielen.

Am nächsten Tag besuchten wir vormittags das geschäftige (Touristen, Standler und Tandler) Städtchen Alcúdia. Eine hübsche mittelalterliche Stadt mit engen Gassen und einer Stadtmauer auf der man nett spazieren gehen kann. Es war heiß. Den Nachmittag verbrachten wir am Pool – wir hatten nun keine Reserven mehr für größeres Programm. Physisch und mental erholt fuhren wir schließlich abends noch zum Aussichtspunkt beim Cap Formentor, wo wir der Sonne zusahen, wie sie hinter der bizarr verschnörkelten Bergwelt Mallorcas unterging. Auf 260m Höhe betrachteten wir, wie die abendlichen Sonnenstrahlen die steilen Felsen des Kaps zum Glühen brachten. Das war schön. Zum Abschluss besuchten wir noch einen lokalen Supermarkt um Abendessen zu kaufen. Wir lieben ausländische Supermärkte. Hier sieht man in die Seele eines Landes, nicht bei der Hop On Hop Off Tour. Und heute, nach einer letzten Frühstücksvöllerei, ging es mal wieder zurück zum Flughafen, dann zurück nach Hause, wo alle schon auf uns warten, und dann ins vertraute Bett. Bis die nächste Reise kommt. Zu dritt entdecken wir die Welt.

Cruise Diaries #6: Granada – Alhambra im Stechschritt

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Innenhof Nasriden Palast

Das ist jetzt quasi ausnahmsweise ein Live-Bericht. Ich sitze im Bus und die wolkenverhangene Landschaft Andalusiens zieht an mir vorbei. Ich sitze alleine hier, da die Fahrt für den Kleinen zu lange gewesen wäre. Somit musste ich meine Familie in Malaga zurück lassen. Ich bin größtenteils trocken und habe sogar gegessen und einen Kaffee getrunken – beides im Gehen. Die Zeit war mein Feind. Da der Bus auf der falschen Seite Granadas angehalten hat, musste ich diese zwei mal eilig durchqueren. Die Innenstadt ist übrigens sehr schön bzw. unterscheidet sie sich nicht maßgeblich von jenen anderer europäischer Großstädte. Die letzten paar Schritte führten steil durch einen Park hinauf, zum Ziel meiner Begierde: Der Alhambra natürlich. In 3 Stunden konnte ich diese hübsche rot-grüne Zitadelle abgehen. Leider hat es sich wieder einmal zugezogen bzw. fing es sogar kurz zu regnen an. Trotzdem war es dort oben, hoch über der Stadt, sehr schön. Das Prunkstück des Komplexes ist der Nasridenpalast, der vor allem durch seine filigran gearbeiteten maurischen Muster an den Wänden, Fenstern, Decken und Portalen, sowie seine streng symmetrischen Räume und Innenhöfe besticht. Hier waren wahre Perfektionisten am Werk, die in einer Welt ohne Bilder Göttlichkeit mithilfe der ewigen Geometrie ausgedrückt haben. Natürlich wäre das Gefühl beim Betrachten noch erhabener, wenn nicht halb Eurasien und Nordamerika durch die engen Gänge geschoben würde.

Ganz schmucklos hingegen gibt sich die Alcazaba, die militärische Festung des Komplexes. Dafür hat man von hier aus einen grandiosen Ausblick über die Stadt, bis hin zur schneebedeckten Sierra Nevada. Sogar im Regen schön. Dann gibt es hier noch ein paar Kirchen, den Palast Karl V. mit kreisrundem Innenhof und die prächtigen Gärten des Generalife, in denen natürlich auch mit Sichtachsen, verwinkelten Mustern und strengen geometrischen Figuren gespielt wurde. Ich bin froh, dass ich mir diesen stressigen Ausflug angetan habe, aber gleichzeitig ein bisschen traurig alleine unterwegs gewesen zu sein. Irgendwie habe ich dadurch das Gefühl das ganze nur halb erlebt zu haben. Ich bin aber auch gespannt, welche Abenteuer meine Lieben in Malaga erlebt haben.

Alhambra vom Generalife aus
„Löwenhof“ im Nasridenpalast
Palast Karl V.
Blick auf Granada

Cruise Diaries #5: Lissabon – Fado aber nicht fad

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Convento do Carmen – Selfie
Blick über die Stadt

Lissabon, die „schöne Bucht“ war wirklich wunderschön. Wir ankerten direkt in der Stadt vor dem Hügel des Viertels Alfaba und tausende kreuz und quer stehende bunte Häuser lachten uns strahlend an. Ein Ziel zur Abwechslung mal bei Sonnenschein zu sehen stimmt uns spontan heiter. Wir schritten das Ufer des Tejos entlang, über die eindrucksvolle Praza de Commercio, einen zum hin Wasser offenen, riesigen weißen quadratischen Platz, von gelben Gebäuden mit großen Arkaden umrahmt, gekrönt von einem mächtigen Eingangsportal in die Stadt hinein. Der Platz und die rechtwinkelig angelegte Innenstadt dahinter wurde nach dem großen Beben von 1755 angelegt. Dieses Beben hat die halbe Stadt zerstört. Die zweite Hälfte brannte dann tags darauf ab, weil die vielen Totenlichter einen gewaltigen Brand verursachten.

Praza de Commercio

Unser nächstes ziel war das Viertel Belém, wo sich einige andere Sehenswürdigkeiten der Stadt häufen. Ich werde kein Freund der lissabonschen Stadtbahn mehr, nachdem einige schwere Bedienfehler (meinerseits) uns Zeit und Nerven kosteten. Beides knappe Ressourcen! Endlich angekommen in Belém konnten wir leider in das Monasterio de Jeronimos nicht hinein, da dieses Montags geschlossen ist. Egal, es war auch von außen schön. Die von unserem Schiffslektor – ein Germanist und Bücherwurm par excellence – empfohlene lokale Leckerei „Pasteis de Belém“ (Blätterteignäpfchen mit Puddingfüllung) schmeckte uns ausgezeichnet. Auch das Entdeckerdenkmal mit angehängtem gewaltigem Kompassrosenmosaik war schön anzusehen.

Zurück in der Innenstadt wollten wir in unserer kurzen verbleibenden Ausflugszeit noch den „Elevador de Santa Justa“ sehen, ein freistehender Aufzug mitten in der Stadt. Hier hätten wir eine halbe Stunde für eine Fahrt um 5 Euro anstehen können. Wir gingen stattdessen gratis 10 Minuten die hübsche Einkaufsstraße dahinter hoch, zum treffend benannten „Barrio Alto“ (Hohes Viertel). Dort steht mein persönliches Highlight Lissabons: das Museum des zerstörten Convento do Carmen. Diese Kirche wurde nach dem eingangs erwähnten Beben nicht wieder vollständig aufgebaut; Ihr fehlt das Dach. Man steht hier also im Hauptschiff und blickt durch die freistehenden gotischen Bögen in den blauen Himmel. Statt Sitzbänken sind moderne Kunstwerke und mittelalterliche Statuen aufgestellt. Im Kopfteil, dessen Dach erhalten ist, ist eine Art Museum der Sterblichkeit eingerichtet, mit Grabsteinen und -beigaben aus der Stein-, Römer- und Westgotenzeit, des christlichen und islamischen Mittelalters und sogar einer ägyptischen und 2 peruanischen Mumien. Um die Ecke hinter der Kirche hatten wir dann noch einen wunderschönen Ausblick auf die Innenstadt und die gegenüberliegende Alfaba mit der Festung Sao Jorge. Wir durchschritten die Baixa (Innenstadt) auf dem Weg zurück zum Schiff, verleibten uns dabei noch Maroni, Kabeljau-Käse-Bällchen mit süßem Wein ein, und winkten Lissabon um 16:00 ein ernst gemeintes „Auf Wiedersehen“ zu.

Die moderierte Abfahrt betrachteten wir vom Oberdeck, wo wir der mit 72m Durchfahrthöhe an sich gewaltigen „Brücke des 25. Aprils“ (Tag der Nelkenrevolution) doch sehr nahe kamen. Die Unterschiebung lässt einem ein Geräusch wie einen Wespenschwarm hören. Nicht so ein schönes Geräusch war auch das Schiffshorn. Es tutete so laut und plötzlich, dass unserem Kleinen ein arger Schreck einfuhr. Das Reisen mit Kind ist schon anders, aber eigentlich gar nicht so arg. Wir müssen einfach alle paar Stunden eine Wickelstation finden, die aber weit häufiger vorhanden sind als man denkt. In fast allen Museen, öffentlichen Einrichtungen, Bahnhöfen und Fast Food Lokalen ist eine zu finden. Der Kinderwagen dient uns zum Gütertransport, da es der Kleine anscheinend hasst darin zu liegen. In Lissabon haben wir gleich darauf verzichtet und ihn nur mit Tragetasche transportiert. Er schaut interessiert bis indifferent aus der Tasche heraus oder schläft tief und fest. Die meisten Leute sind supernett, wenn man ein Kind mit hat, und bis jetzt müssen wir auch nirgends für ihn extra zahlen. Unterm Strich ist ein Kind also kein Grund sich vom Reisen abhalten zu lassen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir 3 haben jedenfalls jede Menge Spaß.

Brücke des 25. Aprils

Cruise Diaries #4: Santiago de Compostela – Nass, Pilger. Nass.

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[Auf dem Atlantik vor Portugal] :Ich sitze draußen auf unserer Veranda. Die Wellen schaukeln das Schiff leicht, es ist warm genug für kurze Ärmel und mein Bauch ist voll. Das ist ein schöner Seetag. Nicht so, wie der letzte, an dem das halbe Schiff darnieder lag. Ich bin stolz auf mich Kraft meines Geistes und Magens die Überfahrt des Golf von Biskaya übelkeitsfrei überstanden zu haben. Auch dem Baby war nichts anzumerken; Kinder werden nicht seekrank. Mias leider schon. Erst nach Buchung der Reise erfuhren wir, dass es Leute gibt, die extra zum „Storm Watching“ im Herbst und Winter in diese Region kommen, weil da die Wellen so schön hoch sind…

Gestern gingen wir um 11 Uhr von Bord, auf Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela. Es war mühsam, beschwerlich und ich finde wir hätten uns auch eine Pilgerurkunde verdient. Erst stapften wir im Regen die Stadtautobahn von A Coruña zum Bahnhof hoch, dann versäumten wir unseren geplanten Zug (daher blieb noch Zeit für einen O-Saft „Natural“, das heißt frisch gepresst, im Bahnhofscafé!). Aber der Zug fährt zum Glück stündlich, das heißt eine komfortable halbstündige Zugfahrt später waren wir in Santiago. Ein Hoch auf die renfe! In SDC schüttete es erst so richtig, und wir mühten uns über kinderwagengerechte Umwege wieder bergauf zur „Praza de Obradiaro“an dem die berühmte Kathedrale der Stadt steht. Diese dominiert mit ihrer Wucht und Größe den Innenstadtkern. Die breite Fassade wirkt wie von einer Burg. Das Gebäude hat einen riesigen verwinkelten Grundriss, man kann ihm hier gar nicht aus dem Weg gehen. In den grauen Himmel ragten die feinst behauenen gotischen Türme mit ihren verspielten Verzierungen. An einigen Stellen erinnerte mich der dunkle bemooste Stein dieser heiligen Stelen an die Türme Angkor Wats. Beides steingewordene Denkmäler menschlicher Vorstellungskraft.

Es wimmelte von Pilgern. Ein junger Mann aus der Steiermark fragte uns, ob wir von ihm ein Abschlussfoto seiner fünfmonatigen Reise machen können. OK… vielleicht hatten wir doch nicht die beschwerlichste Anreise… Seine Schuhe waren zerfetzt, er verabschiedete sich auf Englisch. Kein Englisch gab es dafür im Museum der Kathedrale, dafür war es dort trocken und man konnte bestaunen: Den prächtigen Innenhof mit noch immer genutzten Gräbern, einen wunderschönen Holzaltar der dutzende Reliquien beherbergt, Prunkstücke der Schatzkammer, Tapesterien und auch alte Steine. Die Umrundung der Kathedrale stoppte später bei Croquettas und Paella in einem Café, wo das Baby auch ein bisschen herumhüpfen konnte. Vom pompösen Glanz im Inneren der Kathedrale konnten wir nur eine Ahnung erhaschen – Renovierung. Überall Gerüste und Folien im Innenraum des Sakralbaus. Das „Grab des Apostels Jakobs“ 😉 mussten wir ob der langen Anstehzeit auslassen. Es galt einen Zug und ein Schiff zu erwischen. Kreuzfahrt ist schon lässig, aber das ständige „Abfahrtszeiten Im Auge Behalten“ kann schon stressen.

Leben auf dem Kreuzfahrtschiff:

Cruise Diaries #3: Stonehenge und Salisbury – Todesangst vorm Steinkreis

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Unser Ausflug nach Stonehenge hätte ohne Mias Durchsetzungsfähigkeit gegenüber meiner Zaghaftigkeit gar nicht stattgefunden. Nachdem es nämlich in unserer Anlegestadt Southampton zu schütten begonnen hatte, wollte ich schon die Nerven wegschmeißen und den Ausflug abblasen. Aber Mia pokerte auf gutes Wetter und tatsächlich! Obwohl uns zwischendurch immer wieder schwere Schauer überzogen konnten wir sowohl Stonehenge als auch Salisbury bei strahlendem Sonnenschein betrachten. Immer wenn es gerade regnete waren wir drinnen, entweder im Zug, im Bus, im Visitor Center oder in der Kathedrale. Nach längerer Anreise erreichten wir den magischen Steinkreis. Dabei mussten wir zeitweise Todesängste durchstehen, weil der so ruhig und besonnen wirkende Busfahrer des „Stonehenge Bus“seinen gesamten angestauten Lebensfrust am Gaspedal ausließ.

Auf einer leichten Anhöhe, mitten in der Bilderbuchlandschaft Südenglands, steht dieser mächtige Verbund sandsteinerner Monolithen. 3.500 v. Chr. wurde mit der Arbeit an diesem Monument begonnen, dessen Zweck wohl nie ganz eindeutig geklärt sein wird. Auf jeden Fall musste seine Bedeutung für die steinzeitlichen Bewohner dieser Region groß gewesen sein. Es bedurfte tausender Arbeiter und hohen logistischen Aufwand, um dieses Denkmal zu errichten. Kalender, Friedhof, Kultort, was auch immer der Hauptzweck Stonehenges war, es wirkt noch immer eindrucksvoll und ehrfurchtgebietend.

Wir spulen knapp 4.700 Jahre vor und können das gleiche über die 1228 fertig gestellte Kathedrale von Salisbury sagen – der größten im Vereinigten Königreich. Auch diese steht inmitten grüner Wiese, ragt aber wesentlich höher den Himmel empor, nämlich exakt 123 Meter. Guter Laune verließen wir nach dem kurzen Rundgang im Gotteshaus das Städtchen Salisbury wieder mit dem Zug, um rechtzeitig zurück an Bord sein zu können.

Cruise Diaries #2: Brügge – Bier und Nieselregen

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Kathedrale St. Salvator

Aufregende Tage liegen hinter uns. Vorgestern früh lief unser Dampfer in den Industriehafen Zeebrügge ein, begleitet von einem herrlichen Sonnenaufgang. Wir frühstückten, und als wir in den vorgebuchten Bus einstiegen begann es zu nieseln. Dieser nasskalte graue Dunst sollte uns noch den Rest des Tages begleiten. Erster Stopp war daher auf jeden Fall irgendetwas drinnen; Wir entschieden uns fürs „Friet Museum“. Dort wird einem die Kulturgeschichte der Pommes Frites und deren Urfrucht, des Erdapfels, näher gebracht. Zb. wusste ich nicht, dass die Pflanze über die Kanarischen Inseln nach Europa kam und die ersten hundert Jahre nur wegen ihrer hübschen Blüten Beachtung fand. Im Keller gab es dann original belgische Fritten – Bon Appetite! Die (Innen-)Stadt Brügge ist ein Augenschmaus. Die schmalen zinnenbewährten Ziegelhäuser sind sehr schön erhalten, Kopfsteinpflaster ziert den Boden und der Himmel wird durchstoßen von den Türmen San Salvatores, der Liebfrauenkirche und natürlich des Wahrzeichens der Stadt, des Glockenturms. Dieser läutet natürlich nicht einfach dumm vor sich hin, sondern bimmelt der Stadt moderne Evergreens vor, wie „I just called to say I love you“ oder „Take a Chance on me“.


Grote Markt, Brügge

Belgien – nach den Fritten gab es Bier im „Duvelium“ über dem Alten Markt. Ich kostete eine gemischte Platte aus Maredsous Brun und Blonde plus Koninck Antwerpen Pale Ale. Mia half mir mit den Pralinen, der Kleine knabberte an den Bierdeckeln. Wir schritten weiter zur Burg, wo wir in der wunderschönen Heilig-Blut-Kapelle (die einen Globus als Kanzel hat) das vermeintliche Blut Jesu Christis zu bestaunen ist. Neben den reich verzierten Backsteingebäuden machen vor allem die Kanäle den Charme Brügges aus. Die Innenstadt wird von diesen Wasserstraßen durchzogen. Im Mittelalter wurden hier wertvolle Tücher und Stoffe befördert, heute Touristen. Wir ließen die Bootstour aus, da wir nicht auch noch von unten nass werden wollten. Ein Fläschchen „Brugse Zot“ (Exkurs: Brugse Zot bedeutet Brügger Narren. Das kommt daher, dass die Stadt im Mittelalter ein stark besuchtes Krankenhaus besaß, welches für die Patienten rot-blau gescheckte Kleidung vorschrieb. Für Besucher wirkte es daher so, als ob in Brügge lauter Narren herumlaufen. Dieser Ruf haftet der Stadt in Belgien noch heute an. ) gab mir die Kraft bis zum nächsten Teeraum durchzustehen, die belgische Antwort auf unser Kaffeehaus. Eingerichtet wie ein herrschaftliches Wohnzimmer und mit feinsten Proben belgischer Patisseriekunst bestückt, schenkte uns solch ein Raum letzte Obdach bevor wir nass müde und glücklich (und ich leicht beduselt) zu unserem Shuttlebus zurück mussten. Dürfen wir jetzt sterben, nachdem wir Brügge gesehen haben? Nein, dafür haben wir noch zu viel vor!

Rosenkranz Kai mit Belfried
Liebfrauenkirche vom Rosenkranzkai
Liebfrauenkirche vom Minnewaterpark
Minnewaterpark

Cruise Diaries #1: Oslo – Wikingerschiffe und Karottenkuchen im Marmorberg

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Aida prima ankert vor Oslo
Ein herrlicher Herbsttag in Oslo

Vor 3 Tagen ging unsere erste große Reise zu dritt los. Im Dunkel der Nacht brachte uns die AUA-Maschine nach Hamburg (#firstflight@firstlight), und die Deutsche Bahn mit ihren seltsamen Automaten, dubiosen Tarifen und freundlicher Schaffnerin weiter bis nach Kiel. Auf den ersten Blick (und mehr Zeit hatten wir nicht oder wollten wir uns nicht nehmen) keine sehr schöne Stadt. Wir machten noch ein paar Erledigungseinkäufe (Windeln und Babynahrung) und schifften so früh wie möglich ein, auf unserem Zuhause für die nächsten 2 Wochen, der „Aida prima“. Das Schiff ist fantastisch. Man fühlt sich wie auf einer Raumstation. An alles ist gedacht, alles läuft reibungslos. Das Personal ist freundlich bis zum Mond, unsere Verandakabine groß genug, das Bett superbequem. Jetzt liege ich gerade darin, während mich die Sonne durch das breite Panoramafenster anlacht und dabei in den wilden Wogen, der Sturmstärke 8 gepeitschten Nordsee, glitzernd reflektiert. An Bord spürt man ein sanftes Wiegen. Dem Baby, das neben mir schläft kommt das sichtlich sehr entgegen. Würstelstand, Therme, Casino, Spitzenrestaurants, Krabbelstube, Skywalk, Hallenbad, Cafés, Shuffleboard, Live-Shows… hier an Bord gibt es alles mögliche, sogar einen Klettergarten und einen Starbucks. So schlecht Kreuzfahrten für Häfen und Natur auch seien, eine machen fühlt sich – leider geil – an. („Hansi, wir san im Paradiiies!“)

Den ersten Seetag, am „Highway“ (in einer Tour passierten wir entgegenkommende Frachtschiffe) zwischen Kiel und Oslo, verbrachten wir überwiegend mit Saunieren, Essen und Spielen. Das Baby ist dabei ausgesprochen brav und lieb. Man könnte sagen, die Reise mit ihm ist „kinderleicht“, ch ch ch… So auch unser erster Landgang in Oslo. Die meiste Zeit hat es in der Tragetasche an Mamas Bauch geschlafen, oder fasziniert herumgeblickt. Wir ankerten direkt vor der Festung Askerhus und verdunkelten diese mit unserem 17 Decks problemlos. Im Hafen verkehrten autonom fahrende Minibusse. Erst schlenderten wir durch die aus dem Wochenende erwachende Innenstadt zum Königspalast. Für einen solchen wirkt der Bau bezaubernd schlicht (skandinavisches Understatement?), aber die Lage auf einem bewaldeten Hügel mit der Karl-Johans-Gate als gewaltiger Sichtachse ist durchaus royal. Bewacht wurde das Schloss von zwei gewehrbewährten Soldatinnen. Norwegen, du sexy progressives Vorbild, du.

Mia mit Baby im Hafen von Oslo
Thomas im Hafen
Königliches Schloss

Backstein und Meeresgeruch trifft in Oslo auf Menschen von Welt. Alles sauber, aufgeräumt und regelrecht chic. Überall in der Stadt wurde außerdem gebaut, um sie noch schöner zu machen. E-Autos und Fahrräder stehen und fahren hier überall; leider auch quietschbunte E-Scooter. Irgendwo muss ja das gute Brent-Geld ausgegeben werden. Es war ein herrlicher lauer Herbsttag, also fuhren wir mit dem Bus „aufs Land raus“, auf die Halbinsel Bigdoy. Viel Grün, herbstliches Gold und Braun zieren diese noble Vorstadt, in der einige der schönsten Museen der Stadt liegen. Wir besuchten das „Vikingskiphus“, in dem 3 über 1000 Jahre alte Wikingerschiffe ausgestellt sind. Mit bis zu 24 m Länge und Platz für fast 40 Mann sind das zwar echt große Boote, aber bis nach Neufundland möchte ich trotzdem nicht damit fahren… Die Schiffe lagen fast 1000 Jahre lang luftdicht im Erdreich isoliert, wo sie als Grabstätten damals bedeutender Persönlichkeiten wirkten. Neben deren Skeletten wurden auch zahlreiche Prunk- und Profangegenstände gefunden, welche den Toten die letzte große Fahrt bequemer machen sollten. Wenn die jetzt mal die Aida sehen würden…

Wikingerschiffmuseum

Nach dieser beeindruckenden Reise in Norwegens mittelalterliche Vergangenheit stemmten wir uns in seine goldene, oder besser gesagt „marmorne“ Gegenwart. Oslo hat dem Meer ein Stückchen abgerungen um sich dort ein Opernhaus in Form eines architektonischen Glanzstückes hin zu stellen. Tonnen weißen Marmors kleiden ein verwinkeltes Gebilde, dessen schräge Flächen den Besucher ermöglichen bis aufs Dach zu klimmen. Mittig sitzt eine gewaltige Glasfassade, die den Blick auf eine hölzerne Schnecke freigibt, welche Konzertgäste zu ihren Plätzen leitet. Von oben erblickt man den wunderschönen Oslofjord, dessen verspielte Küstenlinie von unzähligen kleinen Häuschen gesäumt wird. In der nächsten Richtung liegt Oslos Altstadt, in der Distanz die hügeligen Vororte, zB. der Holmenkollen mit seiner Skisprungschanze. Nochmals den Kopf geschwenkt erblickt man die modernen Wolkenkratzer der Stadt. Technotopia aus Stahl, Glas und Beton. Im Inneren dieses schwimmenden weißen Berges gönnten wir uns ob des norwegischen Preisniveaus wenig: 1 Stück Karottenkuchen und 2 Kaffee.

Opernhaus Oslo aus der Ferne
Opernhaus Oslo mit Ameisenmenschen

Um 15:30 mussten wir zurück an Bord sein. Das hieß einerseits, dass wir nicht so viel Powerprogramm wie gewohnt machen konnten, in logischer Folge andererseits, dass wir locker und entspannt zurück kamen. Wie immer legte das Schiff dann mit „Sail Away“ von Enya ab, während wir vom obersten Deck aus zusahen, wie das sonnenbeschienene Oslo hinter uns immer kleiner wurde. Die Panoramafahrt durch den Oslofjord mit seinen steilen Granitküsten genossen wir von der Kabine aus. Das Wetter hätte gar nicht besser sein können. Tja, und heute ist wieder Seetag. Mia ist gerade auf Besichtigungstour durch die Schiffsküche, Baby schläft hier bei mir und ich hab schon die Flip Flops für den nächsten Aufguss gerichtet. Momentan fehlt es uns an nichts. Ich schaue jetzt noch ein bisschen dem Meer zu, und träume vor mich hin.

Kurztrip ins Salzkammergut

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Sonnenaufgang St. Wolfgang

Freitag morgen packten wir Baby und Opa in den neuen Kombi (so Klischee, ich weiß) und machten einen Wochenendausflug ins Salzkammergut. Wir stoppten erst im Schmidinger Zoo, wo der Kleine all die wilden, großen und kleinen Tiere von seiner Bauchtrage aus bewundern konnte. Irgendwann zwischen Nashorn und Tiger ist er allerdings eingeschlafen. So waren wir meistens unterwegs: Opa stapfte voran, Mia mit Kleinem in der Bauchtasche in der Mitte, und ich mit leerem Kinderwagen hinten nach. Alle waren gut drauf und genossen die kleine Auszeit zu viert. Am Eingang zum Salzkammergut stoppten wir in Gmunden und sogen das Uferpanorama zwischen Traunstein und Schloss Orth in uns auf, wobei wir in letzterem (das anscheinend für Trauungen sehr beliebt ist) noch einen Kaffee zu uns nahmen, und somit auch die Chance hatten, den prächtigen Innenhof des Inselschlösschens zu sehen. Abends bezogen wir noch Quartier in und flanierten durch St. Wolfgang. Das Städtchen ist die Überraschung des Ausflugs. Auf engem Raum drängen sich neben dem „Weißen Rössel“ zahlreiche mehrgeschossige Hotels um die schmucke Kirche (deren Interieur zwar etwas düster aber trotzdem prachtvoll aussieht). Ich bezeichne die Stadt jetzt mal als das „Manhattan des Wolfgangsees“! Im Halbdunkel des Sonnenuntergangs und der anschließenden blauen Stunde schimmerten hunderte von Hotelbalkonen herab und spiegelten sich im Seewasser.

Am nächsten Tag wollten wir Hallstatt sehen, aber es schüttete dort so stark, dass man vom Ufer aus nicht mal mehr den See sah. Also fuhren wir kurzentschlossen weiter nach Altaussee, wo wir eine Runde um den See marschierten. In einem steilbewandeten Kessel zogen wir unsere Runde, und wenn es nicht nur 16 Grad gehabt hätte, hätten wir uns an einigen der kleinen Strände ob des weißen Sandes und des türkisen Wassers an die Karibik erinnert gefühlt. Den Kaffee danach gab im vernieselten Bad Ischl im sehr geschäftigen Kaffeehaus Zauner, wo dem Kleinen wieder mal die Herzen zuflogen. Ein weiterer Spaziergang durch St. Wolfgang rundete den zweiten Tag unserer Tour ab. Ab da waren wir sehr zuversichtlich, dass wir auch am Bussimundschiff zu dritt viel Spaß haben werden.

Am dritten Tag war das Wetter wider Erwarten hervorragend, und so machten wir uns doch noch auf nach Hallstatt. Früh morgens beschien die Sonne das malerische Dörfchen, ein Parkplatz war leicht zu bekommen und nur wenige Touristen aus dem globalen Dorf waren da. Ein Traum von einem Freilichtmuseum. Nur einzelne Hinweise lassen manchmal aufflackern, dass hier in dieser jahrhundertwendelichen (welches?) Postkartenidylle auch moderne Menschen leben (die zB. eine mobile Fußpflege brauchen). Nach dem Besuch im Karner hatte Opa genug und wir fuhren weiter an den Gosausee. Wenn man diesen vom Parkplatz aus betritt wird man erst einmal von dem gewaltigen Bergpanorama überwältigt, dass sich schlagartig über einem aufbaut. Rechts die wilden Zacken des Gosaukammes, vorne der Hohe Dachstein mit seinem Gletscher. Beide spiegeln sich im tiefblauen Wasser der mächtigen Seeoberfläche. Ein Kraftort, selbst für Leute die nicht an Esoterik-Schmafu glauben. Wir spazierten und staunten hier bis zu den Kühen, also nicht ganz herum. Ein fulminantes Finale für unseren Trip durch 4 Bundesländer. Wir atmeten die Stille der Bergluft noch mal tief ein, bevor wir nach Hause fuhren.

Gmunden, Schloss Orth

St. Wolfgang

Altausseer See

Hallstatt

Gosausee

Maybe it’s because I’m a Londoner…

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Westminster Abbey Front

[Vor dem Fernseher]

London haut mich total von den Socken. Die Stadt ist riesig, die Gebäude gewaltig und doch ist alles überraschend sauber, und wenn man nicht gerade vor einer Touristenattraktion steht wirkt die Stadt sogar relativ entspannt. Oder liegt das an der Nachweihnachtszeit? Oder daran, dass ich selbst so entspannt bin? Das Wetter ist ziemlich gut (kein Regen und gelegentliche Sonnenfenster in der Wolkendecke) und wir lassen es uns auch gut gehen. Gestern kamen wir in Gatwick an, bezogen unser wunderschönes Quartier, und fuhren gleich mal zu Harrods. Dort war unglaublich viel los. Viele reiche Leute und welche die es gern wären durchströmten diesen sechsgeschossigen Konsumtempel, wie eine zähflüssige pulsierende Masse. Wie dickes Blut im Herzen des Kapitalismus. Die haben dort aber auch echt chice Sachen. Wir kauften etwas mit Dinosauriern. Danach stapften wir im Finsteren durch den Hyde Park zum Winter Wonderland! Das ist eine Art weihnachtliches Oktoberfest mitten in London. Es gab sogar ein „Bavarian Village“ in dem Bratwurst, -erdäpfel, Sauerkraut und auch Flammlachs serviert wird. Wir aßen uns durch die Hälfte der unzähligen Fressstände und bestiegen eines der Fahrgeschäfte: ein gemütliches kleines Riesenrad in dem wir ein paar romantische Runden drehten, umringt von den Lichtern des Festes und begleitet vom Klingeln, Brummen, Musik- und Stimmengewirr das rund um uns herrschte.

[Einige Tage Pause – am Flughafen]

Sorry, liebes Tagebuch, aber die „Most Shocking Celebrity Moments 2018“ haben mich zu sehr abgelenkt, um weiter zu schreiben. Eine Sendung, die nur die Briten machen können. Silikon, Möpse, Kot und seltsame Frisuren… Wie war der Ausflug noch? Super, toll, romantisch, kuschelig, aufregend, informativ, extravagant, köstlich und entspannt. Tag 2 war vor allem der City of Westminster gewidmet. Die Tube brachte uns zur Abbey, wo wir ordentlich „die Menge schlugen“ da wir Eintrittskarten vorreserviert hatten. Die Kirche sieht von außen aus wie Notre Dame, innen wird das gotische Design durch unzählige Ehrengräber, Gedenkplaketten, Statuen, Ehrengruften und Schreine aufgepeppt. Wie überall bei touristischen Hotspots in London steht man die meiste Zeit schlange. Im Westen des Gotteshauses liegen (bzw. werden geehrt) Wissenschaftler (Newton, Darwin, Faraday, Hawkins,…), im Norden Politiker, im Süden Künstler (Shakespeare, diverse Brontes, Dickens und Auden – wodurch die Ortschaft Kirchstetten hier Erwähnung findet) und im Osten die meisten Könige (Elizabeth I. vs. Maria Stuart, Edward der Bekenner und viele Georges und Charles). Als wir die Kirche via Café verließen war die Sonne heraußen. Wie herrlich! Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir flanierten entspannt rund um die teilweise baugerüsteten Houses of Parliament die Themse entlang. Vor dem London Eye herrschte ein unerträglich dichtes Gedränge und der Mäci dort erinnerte mehr an einen Schweinestall als an ein Restaurant. Generell sind hier überall sehr viele Menschen. Downing Street war abgeriegelt, dafür war der Buckingham Palace sehr schmuck bei Sonnenuntergang (16:00). Auch hier viele Leute, darunter die sehr anspruchsvolle chinesische Selfie-Biene „Fu-Ling“ (hihi).

Nach Sonnenuntergang dann mein persönliches Geschichte-Highlight: Lange Nacht im British Museum (als Ausgleich für die Lange Nacht der Museen, die wir heuer versäumt hatten). In diesem prächtigen Bauwerk könnte ich Tage verbringen. Wir hatten leider nur ein paar Stunden Zeit um uns an den gewaltigen Schätzen der Menschheit hier zu ergötzen (vor allem an den Götzenbildern). Das Relief der Löwenjagd König Assurbhanipals aus Mesopotamien, der Stein von Rosette, eine Säule des Artemistempels, Statuen des Mausoleums von Halikarnassos, ein Moai von den Osterinseln und natürlich das Parthenonfries beeindruckten mich besonders. Es ist faszinierend wie kunstvoll und filigran diese Stücke gearbeitet sind, und vor allem, dass sie sich über 2000 Jahre lang erhalten haben.

Tag 3 war ganz dem Tower of London gewidmet. Anfangs vernachlässigten wir sträflich „Petes Café“, das uns sonst immer mit Full English Breakfast versorgte, um so furchtbare Sachen wie „Sausage Bap“ oder „Breakfast Wrap“ zu essen. Daher also die Bezeichnung „Brechfest“… Wir schlugen auch hier die Menge am Burggraben, um anschließend eineinhalb Stunden in der Schlange für die Kronjuwelen zu stehen. Dank informativen Audioguide ist dies ein einigermaßen kurzweiliges Unterfangen. Die royalen Insignien sind ausgesprochen prachtvoll, darunter das Zepter mit dem „Stern von Afrika“, dem größten Diamanten der Welt, die indische Kaiserkrone, die nur ein Mal getragen wurde, und die Krone von Königin Elizabeth – der Queen Mum – mit dem „Koh-I-Noor-Diamant“, der Männern Unglück bringt. Außerdem machte das „Exeter Salt“ – eine riesige Saliera in Form des White Towers – und die königliche Taufschale ziemlichen Eindruck. Das meiste von dem Zeugs wurde 1657 angefertigt, nachdem Oliver Cromwell die alten Insignien einschmelzen hat lassen. Im Tower gibt es aber noch viel mehr zu sehen und viel mehr (jedoch kürzere) Schlangen zum Anstehen. Der von William dem Eroberer 1066 erbaute White Tower im Zentrum, direkt an die ehemalige Römermauer gebaut, war einst höchstes Gebäude der Insel, und beherbergt jetzt die „Line of Kings“. Das sind vermeintlich königliche Rüstungen, die hier schon vor 200 Jahren als Touristenattraktion galten. Ein Spaziergang auf der Burgmauer, die Besichtigung alter Zellen und königlicher Gemächer und eine Ausstellung über die ehemals hier befindliche Menagerie rundeten den Besuch kurz vor der blauen Stunde ab. Wir bestaunten dann noch kurz die Tower Bridge, bevor wir zwei Schritte weiter in unser Hotel umfielen. Wir waren sehr müde.

An diesem Abend hatten wir einen Tisch im „Fenchurch Restaurant“ reserviert. Jenes liegt ganz oben, im 37. Stock des als „Walkie Talkie“ bezeichneten Hochhauses in der Fenchurch Street. Man sitzt in einem Glaskasten innerhalb eines Glashauses, wobei im äußeren viele exotische Palmen, Farne und sonstige Pflanzen wachsen. Die Aussicht auf ganz London ist gewaltig und erinnerte mich an jene im Park Hyatt in Tokio, mit den vielen bunten Lichtern und Wolkenkratzern. Außerdem kommen hier der Tower plus Bridge und 2 Riesenräder (London Eye und jenes im Hyde Park) zum Metropolenpanorama hinzu. Wir fühlten uns wie die alten Götter im Olymp, hoch oben über den Wolken thronend, versorgt mit Nektar und Ambrosia. Nicht ganz – es gab Taube (geschmacklich zwischen Ente und Wild), Rebhuhn, Hirsch und flambierte Birne. Ein Hochgenuss für Gaumen, Augen und Herzen – es war wundervoll romantisch.

Als Kartograf kann ich London natürlich nicht verlassen, ohne mir den Nullmeridian angeschaut zu haben. Daher schipperten wir an Tag 3, einem nebligen Dezembertag, die Themse gen Greenwich hinab. Eine nette Vorstadt mit einem noch netteren englischen Garten beheimatet neben ein paar hübschen Universitätsgebäuden auch das „Royal Observatory“ und für die nächste Zeit wahrscheinlich noch die „Cutty Sark“. Dieses ehemals schnellste Segelschiff der Welt ist hier eindrucksvoll in einen unterkellerten Glaskasten drapiert, was Blicke von innen, außen, oben und unten auf das Schiff erlaubt. 1867 erbaut lieferte sie erst Tee aus China, später Wolle aus Australien, bis ihr die Dampfschiffe den Rang abliefen. Sie wurde an Portugiesen verkauft, die sie „Ferreira“ umbenannten und dann von einem britischen Nostalgiker zurück erworben, um als Schul-, und schließlich Museumsschiff zu enden. 2006 wäre sie fast abgebrannt. Mia war auch beeindruckt, obwohl ihre 20 Jahre alten Schulausflugserinnerungen dem Schiff vorab die Note „langweilig“ ausstellten. Ich bin so froh jetzt auch endlich mal London gesehen zu haben, ich kam mir schon wie ein Außenseiter vor. Der Nullmeridian war dann natürlich nur eine theoretische Sehenswürdigkeit. Er befindet sich genau hier, weil die königlichen Astronomen hier lebten und den Sternen beim Aufgehen zusahen. Vor dem jetzigen gab es übrigens schon 2 andere Nullmeridiane, beide ein paar Meter westlich des heutigen. Immer genauere Möglichkeiten zur Zeitmessung erlaubten eine immer exaktere Positionierung der – überall anders auf der Welt – imaginären Linie. Der zweite „alte“ Meridian ist übrigens noch immer Grundlage der amtlichen britischen Kartenwerke.

Danach wollten wir in Covent Garden indisch essen. Die Menschenmenge und der Mangel an geöffneten indischen Restaurants führte uns schließlich doch zu „Chippys“ gegenüber unserem Hotel, wo es Sheppards Pie (mmmhhh…) und – zum vierten Mal- Fish ’n Chips gab. Dieser Klassiker wurde uns nicht zu blöd, weil einfach gut. Und nun geht es wieder retour. Richtung Zuhause. Richtung 2019. Richtung neues Leben.

London Eye und Westminster Bridge
Westminster Abbey
Themse mit Parlament und London Eye
Westminster Suffragettendenkmal
Westminster Steven Seagull
Buckingham Palace Front
Buckingham Palace Fountain
London Bridge Nacht
The Shard Blue
Tower Guards
Yeoman Warden Selfie
Old Royal Naval College Blick auf Canary Wharf SW
Fenchurch 22 Aussicht nach Osten
Fenchurch 22 Essen

Slowenien – Unten

Standard

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Bei der kurzen Fahrt von Bled nach Koper wird man von der alpinen Welt der Berge umgehend in die mediterrane Welt venezianischen Baustils katapultiert. Unser Quartier hier war ähm… „zweckmäßig“ ausgestattet und „Glampacking“ wäre schon zu hoch gegriffen. 3 Nächte verbrachten wir hier im „Venedig ohne Massen“. Bei einem kurzen Abendspaziergang erkundeten wir die Altstadt, was letzten Endes auch unser letzter Ausflug in Koper selbst war. Das schönste hier war das 5 Gänge Menü im „Sarajevo ’84“, das köstliche „jugoslawische“ Küche serviert. Nach gefüllten Paprika, Cevapcici und bosnischem Kaffee wartete eine Nacht mit tausend Grad, Gelsen, Sodbrennen, Kindergeschrei aus den Nebenzimmern und einem Horror-WC ein Stockwerk tiefer auf uns. Dafür wars billig… Koper ist zwar wirklich recht hübsch, wird aber von Piran (wo wir die nächsten Tage verbrachten) in jeder Hinsicht in den Schatten gestellt.

In Piran haben wir uns sofort verliebt. Am Fußweg vom Parkhaus tauchte die mit venezianischen Häusern gespickte Landzunge langsam hinter einem Felsen auf, und mit jedem Schritt wurde die Aussicht spektakulärer, bis wir das Herzstück der Stadt erreichten: die Piazza Tartini (bzw. „Tartini Trg“ – hier ist alles zweisprachig slowenisch/italienisch angeschrieben). Der große weiß strahlende ovale Platz ist auf 3 Seiten von prächtigen Gebäuden und auf einer von der Marina der Stadt umgeben. Wir wandelten den ganzen Tag durch die schmalen Gassen der Stadt, hinauf zu den Resten der Stadtmauern (mit super Ausblick), zur Spitze der Landzunge, hinauf auf den Campanile der St. Georgs-Kathedrale (mit super super Ausblick) und an den Strand Fiesa im Norden. Dort schwammen wir und blickten in das glasklare blaue Meer (ein Vorteil eines Steinstrandes!). Wir speisten die besten Calamari Fritti seit Ewigkeiten und kauften zwei hübsche Bilder von Meerestieren, sowie ein blau-weiß gestreiftes Sommerkleid. Kurz: Es war ein perfekter mediterraner City-Tag.

Der letzte Tag am Meer führte uns vormittags zu den Salinenbecken an der slowenisch-kroatischen Grenze. Teils Naturschutzgebiet, teils aktiver Betrieb besticht die Landschaft hier durch ihre gekachelte Monotonie. In der Hitze einige Kilometer geradeaus durch diese flache Herdplatte zu spazieren, machte uns intuitiv klar, warum dieser Ort hier günstig ist um Wasser verdunsten zu lassen. Wichtigster Faktor bei der Salzproduktion ist die „Petola“ – eine schwarze Schicht aus Schlamm und Cyanobakterien, die einerseits das Wasser vom Bodenschmutz abschirmt und das Becken abdichtet, andererseits dem Salz wichtige und geschmackvolle Minerale besteuert. Nachdem auf unserer Stirn auch schon „Fleur de Sal“-Kristalle wuchsen, kurvten wir nach Portorož zum Baden. Eine betonierte Bucht, an der halb Europa den Inbegriff des Familienbadeurlaubes zelebriert. Für einen Tag ist das aber leider geil. Wir mieteten einen Strandschirm mit Liegen in der ersten Reihe. Der Club neben uns spielte Reggae-Remixes allerlei Klassiker, wir aßen Eis und lasen „Der Zauberberg“ bzw. „Herr Kato spielt Familie“. Ein bisschen planschen im Meer und ein paar fischige Leckerbissen, gehörten auch dazu. Ein letzter Sprung vom Holzsteg war dann mein Abschied vom Meer für heuer.

Tja, und dann kam schon der Tag der Heimfahrt. Wir hatten viel Zeit, also besuchten wir noch die Höhlenburg von Predjama. Tief im Karst versteckt fanden wir dieses touristische Kleinod, das sich nahtlos an die umgebenden Felsen klammert. Nein, der Felsen IST eigentlich Teil der Burg. Versteckte Gänge im Gestein führen in ein gewaltiges Höhlensystem, welches den Burgbewohnern bei Belagerungen als Lebensader nach außen diente. Die Führung mit Audioguide war professionell und unterhaltsam gestaltet. Nicht unterhaltsam war danach der Eintrittspreis plus Parkgebühr für das Grottenolm-Vivarium in Postojna, weswegen wir dieses ausließen und schnell weiter fuhren. Das hieß auch: Mehr Zeit für das nur eine Stunde entfernte Ljubljiana! Dieses Städtchen ist bezaubernd. Alles ist super gepflegt und schön hergerichtet. Die mit hunderten Säulen dekorierten Markthallen am Flussufer sind besonders schön. Dort mittagaßen wir Klobasa, Suppe und Käsestrudel. Hier, wie auch in Piran, hat man das Gefühl in einer schönen einzigartigen europäischen Stadt entspannt flanieren zu können, so wie man es in Venedig oder Prag gerne machen würde. Ein „Geheimtipp“ sozusagen. Nach dem kurzen Hineinschnuppern in diese hübsche Stadt, ging es letztlich heim. Zbogom Slovenjia – Wir sehen uns wieder!

Piran:

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Höhlenburg Predjama:

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Ljubljiana:

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